Die Gemeinde Upgant-Schott wird zu einem für Mühlen-Fachleute bedeutenden Ort: Geplant ist, dort das Archiv der Mühlenvereinigung Niedersachsen- Bremen anzusiedeln. Untergebracht und öffentlich zugänglich gemacht werden soll es im Müllerhaus der Sterrenberg-Mühle. Das soll dafür ausgebaut und saniert werden.
Im Haushalt der Gemeinde Upgant-Schott, den der Rat am Dienstag verabschiedet hat, sind für entsprechende Planungen 100.000 Euro eingeplant. Insgesamt kostet das Vorhaben nach Angaben der Verwaltung rund 1,2 Millionen Euro. Wie den eher spärlichen Ausführungen von Kämmerer Stephan Weers und Gemeindedirektor Gerhard Ihmels zu diesem Thema zu entnehmen war, hat die Gemeinde eine finanzielle Förderung beantragt und wohl auch bereits einen Zuschuss in Höhe von einer halben Million Euro in Aussicht gestellt bekommen. Von wem, wurde nicht gesagt. Laut Ihmels soll der Dachboden des Vorderhauses tragfähig gestaltet werden.
Gemeinde kaufte Mühle von Müller-Erben
Die Gemeinde Upgant-Schott ist Eigentümerin des Mühlenensembles, zu dem neben der Mühle und dem Müllerhaus auch das Müllerknechthaus und mehrere Grundstücksflächen am Mühlenloog und am Schiffsleidingsweg gehören. 2020 hatte sich die Kommune nach mehrmonatigen Verhandlungen mit den Erben von Brookmerlands letztem Müller August Brüderle und seiner Frau Theda über einen Erwerb (wir berichteten) geeinigt. Laut früheren Haushaltsplänen wendete die Gemeinde 632.000 Euro für den Kauf auf.
Die Brüderles hatten die Mühle bis 1991 betrieben. August Brüderle war Müllermeister in der achten Generation. Er starb im September 2010. Der gebürtige Schwarzwälder wurde 87 Jahre alt. Theda Brüderle, die drei Jahre jünger war als ihr Mann, starb im Februar 2018. Das Paar war mehr als 60 Jahre verheiratet.
Vereine sind eng mit Mühle verbunden
Seither war fraglich, wie es mit der 1880 erbauten Mühle, dem Müllerhaus und dem Müllerknechthaus weitergehen würde. Vor allem in Reihen des Boßelvereins „Goode Trüll“ Upgant-Schott und des Mühlenvereins Upgant-Schott sorgte die Ungewissheit für Unruhe. Beide Vereine sind seit Jahren eng mit der Mühle und den zu ihr gehörenden Gebäuden verbunden. Der 1991 gegründete Mühlenverein kümmert sich um den Erhalt des Gallerieholländers und des Müllerknechthauses, das seit 2007 als Standesamt genutzt wird. Die Friesensportler haben das Müllerhaus aufwendig renoviert und umgebaut. Seit 2000 ist es ihr Vereinsheim. Außerdem wird es für öffentliche Veranstaltungen genutzt.
Seit dem Kauf wird darüber nachgedacht, wie das Müllerhaus zusätzlich genutzt werden könnte. Die Ansiedlung des Archivs der Mühlenvereinigung sei „hoch interessant“ für Upgant- Schott und das Brookmerland und „ein Gewinn“ für die Mühlenvereinigung, stellte Ihmels fest.
Archiv umfasst Hunderte von Aktenordnern
Zurzeit ist das Archiv noch in der alten Grundschule in Roffhausen (Schortens) untergebracht. Betreut wird es von Hinrich Redinius aus Leezdorf. Er ist Gründungsmitglied des Heimatvereins Leezdorf und war 20 Jahre lang Schatzmeister der Mühlenvereinigung. Wie er auf Anfrage dieser Redaktion berichtete, umfasst das Archiv Hunderte von Aktenordnern und mehrere Fotosammlungen, Mühlenbücher und -broschüren, Presseberichte und andere Dokumente. Das Archiv werde regelmäßig erweitert und aktualisiert und vor allem von Wissenschaftlern, Doktoranden und Chronisten genutzt, sagte Redinius.
Mit freundlicher Genehmigung der Ostfriesische Nachrichten GmbH, 26624 Südbrookmerland

